Natur bewegt Steinfurt e.V.

 

 

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Flottenberichte

Es war nicht zuletzt der Film „Der Flug des Phönix“, der eine breite Öffentlichkeit darauf hinwies, dass begnadete Modell-bauer auch große Dinge ans Laufen bringen. So baute das Ehepaar Schar-baum im westfälischen Ennigerloh zunächst ferngesteuerte Segelschiffe aus Modellbaukästen, dann bis zu 50 kg schwere, ferngesteuerte Segler auf der Basis von Bauplänen und schließlich selbstgesteuerte manntragende Segel-schiffe im Maßstab 1:1 (siehe YACHT 3/2009). Otmar Weber, der in der Minisail Szene mit seinem selbstgebauten klassischen Gaffelkutter einen guten Ruf als tüchtiger Modellbauer genießt, wagte sich 2003 an den Selbstbau von Kajaks und Canadiern. Gut zu erkennen ist das sog. Mallengerüst, auf dem der Canadier entstand. Als Mallen bezeichnet man Hilfsspanten, die später wieder aus dem Boot entfernt werden. Auf die form-gebenden Mallen werden sorgfältig angepasste Holzleisten aufgebracht und miteinander verleimt. Am Ende bekommt das fertige Boot eine mehrschichtige Klar-sichtlackierung, so dass der wunder-schöne Anblick einer glänzenden Holz-struktur entsteht. Die Kajaks entstanden als sog. Knickspanter, eine Bauweise, die als etwas einfacher und schneller zu bauen gilt.

Wir wollen Otmar immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel wünschen, damit seine schönen Holzboote keinen Schaden nehmen. Wenn er es mit seinem Filius auf dem Wildwasser mal wieder so richtig krachen lässt, greift er ohnehin auf seine PE-Boote zurück. Wer sich für den Selbstbau von Edelkanus aus Holz interessiert, wende sich an Otmar Weber per E-Mail: oweber(at)krafteurope.com                              (Spamschutz korrigieren !)

 

Text: Ralph Sutthoff

Bilder: Otmar  Weber

*  Edelkanus aus Holz im Eigenbau  *

Rumpf vor und nach dem Lackieren.

 

 

Leuchtende Holzstruktur - leuchtende Augen!

Mallengerüst aus Spanplatten

 

 

 

Man braucht schon viel Platz

*  WW-Kajak „Chopper“ vom Discounter Lidl  *

~ Ein Prijon Kajak vom Lidl

Im Sommer 2007 brachte der Lebensmittel-Discounter Lidl das klassische WW-Kajak  „Chopper“ der Firma Prijon in abgespeckter Version unter dem Lidl-Vertriebsnamen „Pegaso“ für 408 Euro Endpreis in den Handel. Ein gleichnamiges einteiliges  Doppelpaddel (Alu, 205cm, 1300 g) gab es für 49 Euro dazu.  Ich er-steigerte einen solchen Pegaso gebraucht samt Zubehör im Herbst 2010 für übersichtliches Geld in der allseits bekannten elektronischen Bucht.

 

~ Nachrüstung

Den hier vorgestellten Pegaso lieferte Lidl ohne Prijon Typenschild samt Seriennummer, Rückengurt/-Polster nebst Beschlägen sowie der kommoden Sitzauflage und dem Sitz-Keil des originalen Choppers aus. Der Nachrüstaufwand für Heimwerker liegt ganz grob bei etwa 120 Euro und 3-4 Stunden Arbeit, wenn später im Pegaso alles so ordentlich aussehen soll wie im Original. Die fehlenden Teile bestellte ich bei Sport Schröer aus Unna. Einsteiger seien darauf hingewiesen, dass bei der Anschaffung von Pegaso oder Chopper wie immer noch die übliche Kajakausrüstung wie z.B. Lukendeckel, Spritzdecke und Spitzenbeutel dazu kommt.    

~ Das Raumangebot im Cockpit

Bei einer Fahrerlänge von etwa 190 cm ist der Pegaso/Chopper am Ende seiner Aufnahmekapazität angelangt. Sowohl Sitz als auch Fußstütze sind dann jeweils auf Anschlag eingestellt. Ungemütlich dürfte es auch jenseits von Schuhgröße 44 werden. Die Einstiegsluke empfand ich für meine langen Knochen als etwas eng, weshalb ich die harte Unterkante des Süllrandes vorne mithilfe von Bohrmaschine und Schrubbaufsatz abrundete. Die simplen, nicht ein-stellbaren Schenkelstützen passten erfreulicherweise auf Anhieb gut. Übrigens sitzt man bereits ohne nachgerüstete Sitzauflage und Sitzkeil durchaus bequem im Boot. Auf den beim Pegaso fehlenden Rückengurt oder –lehne würde ich persönlich nie verzichten. Der sollte auf jeden Fall nachgerüstet werden.  

 

~ Stabilitätswunder

Der Chopper liegt mit seinem flachen Unterwasserschiff sehr kippstabil im Wasser. Nur wenige Paddler werden zum Einstieg noch die gerne belästerte Paddelbrücke brauchen. Man gewinnt schnell den Eindruck, man könne einfach vom Ufer ins Boot hineinspringen ohne dabei zu kentern. Beim Paddeln erscheint einem der Chopper bis zu einem gewissen Krängungsgrad absolut kentersicher. Hat er diesen jedoch einmal überschritten, kippt er umso plötzlicher und entschiedener. Fehlende Endstabilität nennen Experten wohl dieses Phänomen.  

Mit meinen zwei Zentnern Fahrergewicht liegt die Wasserlinie nur wenig unter der Gesamtlänge des Kajaks. Die Wasserlinienlänge unterscheidet sich damit kaum von der des längeren Tornado mit seinen größeren Kielsprüngen.

 

~ Fahreigenschaften

Der kippstabile Chopper erweckt von Anfang an viel Vertrauen. Dabei dreht das Kajak leicht und willig und ist dennoch gut auf Kurs zu halten. Natürlich dreht auch der Chopper seinen Bug immer mal gerne in eine unerwünschte Richtung. Kurskorrekturen beanspruchen jedoch wenig Kraft. Kajaks mit rundlicheren Kielen verhalten sich da viel eigenwilliger. Die leichte Beherrschbarkeit bleibt erfreulicherweise selbst dann erhalten, wenn man schneller paddelt.

Im WW Park von Hohenlimburg kam ich als fortgeschrittener Anfänger mit dem Chopper auf Anhieb gut klar. Im wuchtigen Wasser ist allerdings gegenüber dem voluminöseren Tornado häufiger mal komplett „Land unter“ angesagt. Man gewöhnt sich aber schnell daran. Der gutmütige Chopper vermittelt so viel Vertrauen, dass ich schnell leichtsinnig wurde und mir mehr zutraute als mein Fahrtkönnen reichte. Als es dann passiert war und ich die Eskimorolle mal wieder nur zur Hälfte geschafft hatte, kam einen Moment Panik auf. Denn die Neopren-Spitzdecke von Prijon löste nicht von selber aus und auch beim Reissen am Not-Riemen passierte nichts. Die Spritzdecke ließ sich erst lösen, nachdem ich vorne an der Schlaufe zog. Verflixtes Pech, wenn man die beim Start versehentlich mit unter den Süllrand gezogen hat!

Geschwindigkeitsrekorde kann man mit so einem kurzen Kajak natürlich nicht aufstellen und auch das Mitpaddeln in einer Gruppe mit längeren Wanderkajaks würde ich nicht empfehlen. Für offene Gewässer, ausgedehnte Wander- sowie Gepäckfahrten ist der kleine Chopper generell weniger geeignet.

 

~ Transport

Der Chopper passt diagonal in jeden Kombi mit flach-gelegter Rücksitzbank hinein, wenn man den Bei-fahrersitz absenkt und das Heck voraus durch die Heckklappe des Kombis über den Beifahrersitz schiebt.

 

Einpersonenkajak „Chopper“

Typ:

transportfreundliches, klassisches WW- und Einsteigerkajak

Hersteller: Prijon/D

Material:   HTP-PE

Länge:      295 cm
Breite:      63 cm
Volumen:  270 l
Gewicht:   20 kg
Cockpit:    49 (41) x 86 (78) cm

Ausstattung des Original-Chopper:

Ablassschraube mit Bajonett

Verstellbarer, gepolsterter Sitz und verstellbarer Sitzkeil

nicht einstellbare Schenkelstützen  

gepolsterter Rückengurt mit Verstellmöglichkeit

verstellbare Prallplatte mit Dämpfungspolstern

Tragegriffe an Bug und Heck

Empfehlungen für Paddler :

Gewicht: von 70 kg bis 110 kg
Länge:    165 bis 192 cm

Baujahr:  von 2001 bis 2009
Neu-Preise Stand 12/2010: zwischen 790 und 1150 Euro

 

Bilder und Text: Ralph Sutthoff

Mein Faltboot Klepper Aerius II …. mein Hobby

 

Hallo Falterfreunde,

ich möchte mal einen kleinen Beitrag über meine Erfahrungen und Erlebnisse mit meinem Flaggschiff der Klepperfaltboote, das Aerius II, ins Netz stellen.

In den 50er Jahren hatten zwei jugendliche Männer in unserer Stadt (Kreisstadt Steinfurt, nördlich von Münster gelegen) je ein Faltboot von der Firma Klepper. Ich war gerade mal 10 Jahre alt und habe mir mit großen Augen diese schönen Boote, die auf einem selbstgebastelten Bootswagen hinter einem Fahrrad (hatte damals auch nicht jeder) zu Wasser gezogen wurden. Mitfahren durfte ich nicht, denn die Beiden waren sehr verwöhnt mit den Schiffen, aber ich durfte mal anfassen und mich ins Boot hinein setzen, ein tolles Erlebnis. Schon damals war die Farbe des Bootsverdecks schön blau und das Unterschiff Silber. Seitlich waren Luftschläuche eingelassen, die der Haut Spannung und dem Boot eine ziemliche Kentersicherheit gaben. Auch haben die Beiden mir gezeigt, wie so ein Faltboot aufgebaut wird. Kurzum, das Virus Klepperfaltboot hatte mich gepackt. Aber da damals das Geld knapp war, konnte ich mir natürlich so etwas nicht leisten und darum habe ich mit ein paar Freunden ein Floß aus Brettern und von den „Tommys“ (Engländer) organisierten Benzinkanistern gebaut und sind damit auf einem Baggersee geschippert. Dann gab es eine lange Paddelpause, bis in die 80 Jahre. Da kam ein Arbeitskollege auf die Idee, eine Mehrtagesfahrt auf der Ems von Salzbergen bis Hanekenfähr in Niedersachsen zu machen. Dies hatte sich bei anderen Kollegen in der Verwaltung herumgesprochen und so waren wir am Ende eine Truppe von zwei Dreierkanadiern, zwei Zweierkajaks, zwei Einerkajaks (alle aus GFK Material) und einer war doch tatsächlich mit einem Klepper Aerius II dabei. Ich war wieder von diesem Boot „hin und weg.“ Wild gezeltet wurde jeweils am Emsufer, natürlich mit Grill und diversen Getränken. Eben dieser Besitzer des Faltbootes hatte Kontakt zu einem Bootsclub in Eberstadt am Rhein und hatte mir nach längeren Verhandlungen 1986 einen kompletten Aerius für 200 DM besorgt. Das Boot sah total überholungsbedürftig aus. Die Haut war teils porös, Kielstreifen fehlten, der Gerüstlack war schadhaft, die Kimmstabhalterungen porös oder gar nicht mehr vorhanden, aber ihr könnt mir glauben, ich war glücklich, habe viel Arbeit, Geld und Zeit investiert um dieses Boot wieder schwimmfähig und ansehnlich zu machen. Wegen der Bequemlichkeit habe ich auf den Sitzbrettchen Sitzpolster aus Stuhlkissen mit Federkern und an den Rückenlehnen ebenfalls gepolsterte Stuhlrückenlehnen, die ich mit Jeansstoffen wegen der Farbanpassung überzogen habe, angebracht. Natürlich durften Klepperwimpel und Deutschlandfahne nicht fehlen. Diese konnte ich in diversen Bootgeschäften kaufen.

Fertig war das Klepperfaltboot Aerius II.

Meine erste Fahrt habe ich gemeinsam mit meinem Bekannten, der mir das Boot besorgt hatte, auf der Ems bei Emsdetten ( Kreis Steinfurt ) gemacht. Es war ein erhebendes Gefühl, alles war dicht und das Schiff schwamm wunderbar.

Ich war bei meinem Klepper angekommen.

Viele Kajakfahrten habe ich in den folgenden Jahren mit meiner Paddelgruppe unternommen. Um nur einige davon zu nennen: in Niedersachsen die Flüsse Örtze, Wietze, Aller, Hase und die Ems. Auch waren wir am, bzw. auf dem Labussee, im Bereich der Mecklenburgischen Seenplatte. Für diesen See hatte ich mir extra ein Großsegel S2 – und ein Treibsegel der Firma Klepper gekauft (muss ja alles zusammen passen). Ich habe dort unter Anleitung eines Kollegen das Segeln mit meinem Aerius gelernt. Das Boot ließ sich sehr gut segeln, es war ein super Erlebnis, nur von Windkraft getrieben und das Kielwasser plätschern zu hören. Ich könnte zu jedem der angebenden Paddelfahrten einen Erlebnisbericht schreiben, dies würde aber den Rahmen meines Berichtes sprengen. Ich fahre heute noch einen Aerius, nicht mehr den von 1986, auch führe ich keine Mehrtagesfahrten mehr durch, aber öfter im Jahr befahre ich mit meiner Frau, meinen Kindern und Enkelkindern und einem bekannten Ehepaar, die Ems ab Salzbergen in Niedersachsen oder auf die Werse bei Münster. Ein tolles Hobby!

 

Technik, Lagerung und Transport

 

Das Klepperfaltboot Aerius II hat ein Gesamtlänge von 5,20 m und ein Breite von 0,87 m. Das Gewicht beträgt 32 kg. Das Verdeck besteht aus wasserdicht gewebter Baumwolle, die Unterhaut  aus robustem PVC - Gewebe.

Obwohl die Haut sehr robust ist, sollte auf Kontakt mit steinigem Untergrund verzichtet werden. Das Aufbaupatent des Klepper-Holzgerüstes ist Dank der patentierten Schnappverschlüsse denkbar einfach. Ich benötige für den Aufbau ca. 25 Minuten. Für den Transport des Gerüstet bietet die Fa.Klepper extra Transportsäcke an, so dass das Boot im PKW oder auch mit dem Flugzeug mitgenommen werden kann. Ich habe mein Boot immer aufgebaut in einer Halbschale in der Garage gelagert und befestige es  mit Spanngurten mit dem Süllrand nach unten auf den Dachträgern meines PKW's. Das einzige Pflegemittel meines Faltbootes besteht aus Leitungswasser und einer von der Fa.Klepper hergestellten Pflegemilch.

 

Bericht und Bilder:

Heinz Altemeyer

E-Mail:

h.altemeyer(at)googlemail.com

 

Spamschutz:

(at) bitte durch @ ersetzen !

Der Tornado

Das Wildwasserdickschiff von Prijon.

Der Tornado gehört zur Kategorie der WW-Tourenboote. Sein hohes Volumen, das üppige Platzangebot im Cockpit und die große Einstiegsluke machen ihn zum idealen Gefährten für große und schwere Paddler. Zudem kann er einiges an Gepäck aufnehmen - wenn es denn sein muss. Es fehlen nämlich Stauluken und Abschottungen, so dass mit Tricks aus alten Zeiten umständlich Gepäckbeutel unter den Spitzenbeuteln in Bug und Heck verklemmt werden müssen. Achterlich ist das Boot halbwegs einfach zu beladen nachdem der Rückengurt gelöst wurde. Wenn man es dort mit der Zuladung jedoch übertreibt, kommt der Bug zu hoch aus dem Wasser und der Fahrtwiderstand erhöht sich. Will man im Bug Gepäck unterbringen, muss erst die Prallplatte demontiert werden. Praktisch ist dagegen das Gepäcknetz unter Deck vor dem Cockpit.

 

Die Fahreigenschaften

werden in erster Linie durch das rundliche Unterwasserschiff mit den großen Überhängen /Kielsprüngen bestimmt. Außerdem fällt das Boot recht schlank und hoch aus. Die Anfangsstabilität erinnert eher an ein breiteres Seekajak. Bis zu einem gewissen Tempo läuft der Tornado ordentlich geradeaus. Darüber hinaus bricht er gerne aus und ist nur schwer wieder auf Kurs zu bringen. Als Tourer für stures Geradeauspaddeln erscheint mir der Tornado weniger empfehlenswert.  

 

Durch Wildwasser

geht das voluminöse Boot komfortabel und trocken solange es nicht allzu dicke kommt. Dann wird er irgendwann unhandlich und schwerfällig. Echte Sportler bevorzugen im Wildwasser kleinere Kajaks. Für ein voluminöses Kajak dieser Länge bleibt der Tornado aber sehr wendig.

 

Die Gebrauchtpreise für den 10 Jahre alten Tornado liegen je nach Zustand und Zubehör zwischen 200,- und 400,- Euro.

 

Technische Daten:

 

Länge 347 cm

Breite 62 cm

Gewicht 22 kg

Volumen 340 kg

Luke 91 x 45 cm

Paddlergewicht 50 – 130 kg

Material: Prijon PE/HTP

Austattung:

Verschiebbarer Sitz,

verstellbare Rückenlehne,

verstellbare Hüftpolster,

Netz unter Vordeck,

integrierte Tragegriffe,

einstellbare Prallplatte,  

Wasserablassschraube,

schwarze Rammkappe

 

Baujahr 1995 bis 2001

 

Text und Bilder:

 

Ralph Sutthoff

Erfahrungsbericht:  Helios I

ein Schlauchkajak der tschechischen Firma Gumotex

Die Schlauchkajaks vom Typ Helios der tschechischen Firma Gumotex gibt es als Einer- oder Zweier-Kajaks. Hier stelle ich die Einerversion, das Helios I vor und versuche die Fragen zu beantworten, für wen und wozu ein solches Schlauchboot bestimmt ist.

 

Das Helios eignet sich für Paddler, die ein Maximum an Mobilität suchen und für ein relativ schnelles, aufblasbares Kanu aus solidem Gewebematerial nicht wahnsinnig viel Geld ausgeben möchten. Ökologisch orientierte Naturfreunde werden gerne hören, dass man nicht unbedingt ein Kraftfahrzeug braucht, um zum Gewässer zu gelangen. Das nur 10, 5 kg schwere Boot bekommt man problemlos samt allem notwendigen Zubehör im Rucksack oder auf einem (motorisierten) Zweirad mit.

 

~ Verarbeitung

Gumotex nennt das glatte Schlauchmaterial seiner Boote Nitrilon. Es handelt sich um einen 0,7 mm starken, gewebeverstärkten Kunstgummi, dessen etwaige Schadstoffhaltigkeit mir nicht bekannt ist. Zumindest riecht das Boot weniger unangenehm als PVC. (Ich erwähne das, weil die bedenklich hohe Schadstoffhaltigkeit von Luftmatratzen aller Art in jüngster Zeit ins Gerede gekommen ist und sogar vor dem Aufblasen mit dem Mund dringend abgeraten wurde.) Das graue, rauhere Material nennt Gumtotex Lite-Pack. Es verschmutzt leichter als Nitrilon.

Die Boote werden in Handarbeit hergestellt. Jedes Boot ist ein Unikat und zeigt individuelle Eigenheiten. Wenigstens an einer Stelle sind wohl alle Boote irgendwo ein wenig verzogen oder etwas krumm.

 

~ Dichtigkeit und Empfindlichkeit

Ein Dauerthema bei Schlauchbooten ist die Luftdichtigkeit. Beim Helios halten die Schläuche schon im Neuzustand alle sehr unterschiedlich lange dicht. Wichtig ist, dass in die Dichtungen der Ventile kein Schmutz gelangt. Staubkappen mit Bajonett-verschluss und O-Ringen schützen die Ventile. Leider sitzen zwei Kappen zu eng in den Ventilschächten, so dass ich die O-Ringe entfernen musste.  

Wer sein Boot liebt, fängt bereits am Steg oder am Ufer an, sorgfältig auf scharfe Muschelkanten, Nägel, Schrauben oder spitze Steine zu achten. Ein wirkliches Risiko stellt aber nur eine Druckbelastung dar, wie sie von einem spitzen, scharfen Messer ausgehen würde. Mein Helios erwies sich im Laufe der Zeit belastbarer als ich es anfangs für möglich hielt. Bei einem Aufprall, wo einem Faltboot seine Steifigkeit zum Verhängnis wird und Spantenbruch und Leckagen drohen, entstehen bei einem guten Schlauchboot womöglich nicht mal Kratzer. Das Schlauchmaterial gibt nach, wodurch sich der anfangs punktuelle Druck auf eine größere Fläche verteilt. Daher leidet ein Schlauchboot bei Bodenkontakt viel weniger als ein Faltboot! Fast alle nach Bodenkontakt entstandenen Kratzer konnte ich anschließend mit der Grabner Pflegemilch wieder beseitigen.

 

~ Auf- und Abbau

Zuerst pumpe ich die Schnellventile der Bodenluftkammer und danach die beiden Seitenkammern auf. Dann ist das Verbindungsstück am Schlauch der Pumpe zu wechseln und man kann die beiden Decks aufpumpen. Wegen der Sicherheits-reserven pumpe ich die „wassergekühlte“ Boden-luftkammer des Kajaks immer deutlich über Soll auf. Bei den Seitenschläuchen bin ich etwas vorsichtiger.

Selbst ohne Übung hat der Kajaker sein Helios mit einer guten Pumpe nach spätestens einer Viertel-stunde komplett seeklar. So schnell und so leicht kann man kein Faltboot aufbauen!

Beim Abbau entweicht die Luft dank der Schnellventile so schnell wie man es vorher aufgepumpt hat. Die Absaugfunktion der Doppelhubpumpe wird kaum benötigt. Vor dem Zusammenfalten und Verpacken sollte das Boot sauber mit dem beiliegenden Schwamm gereinigt werden und ggf. zuhause, wie ein Zelt, ausgebreitet bis unter die Decks rocknen können.

 

~ Fahrbetrieb

In schwierigen Situationen fällt Ein- und Ausstieg nicht unbedingt einfacher als bei einem festen Boot. Die weiche Nachgiebigkeit des Schlauchbootes bedeutet Instabilität und fühlt sich beim Betreten unangenehm an. Andererseits, aus dem gleichen Grund sitzt jeder dauerhaft ausgesprochen bequem im Boot. Das Doppelpaddel sollte 220 cm bis 230 cm breit sein. Mit den Längsrillen im Boden läuft das Kajak auch ohne Steuerhilfe ausreichend kursstabil.

 

~ Tempo

Ein Kajak gilt als schnell, wenn es steif, lang, schmal und leicht ist. Legt mahn diesen Maßstab an, kann man das Leistungspotential des Helios erahnen. Es ist schmaler und länger als die aufblasbare Konkurrenz, steifer als ein PVC Kajak aber weniger steif als ein Grabner Boot. Wobei die effektive Breite im Wasser wegen der wulstigen Schlauchkonstruktion vom Beladungszustand bzw. dem Fahrergewicht abhängig ist.

Nach meinen subjektiven Empfinden dürfte das Helios I etwas langsamer sein, als ein ähnlich langes Wildwasserkajak aus PE/HTP. Höhere Geschwin-digkeiten kann man nur mit viel Kraft erreichen und hält das dann entsprechend kurz durch. Abgesehen vom Erreichen der Rumpfgeschwindigkeit bremst beim Beschleunigen der Bug. Der steigt nämlich un-schön aus dem Wasser auf und wird dadurch breiter. Das Rauschen der fetten Bugwelle kann man  deutlich im Cockpit vernehmen. Also sollte das Gewicht weiter nach vorne wandern. Hilfreich kann ein Kajaksitz, etwa der Zubehörsitz von Grabner sein. Ich lege einfach ein breites aufblasbares Kissen in den Rücken, so dass ich weiter vorne zu sitzen komme.

 

~ Einsatzbereich

Eine gemeinsame Fahrt in einer Gruppe mit längeren, festen Kajaks tue ich mir mit dem Helios nicht noch einmal an. Mir ging deutlich schneller die Puste aus.

Auf offenen Gewässern war ich noch nicht unterwegs, aber ich würde mich strikt in Ufernähe halten. Eine Spritzdecke als Zubehör gibt es nämlich nicht und sie lässt sich auch nur schlecht nachträglich selber basteln.

Zum Befahren bleiben dem Heliosfahrer realistischerweise geschützte Seen und friedliche Fließgewässer bis WW 1 mit geringer Strömung und geringem Wellengang.

Für ein gut 10 kg schweres und nur 310 cm langes Kajak reichen das Gepäckfach im Heck und die beiden Netze auf den Decks aus. Gepäck verstaut man am besten im Heck hinter der Fahrerlehne oder notfalls auch auf den Decks mit Hilfe der dort befindlichen Netze. Natürlich wird im letzten Fall das Boot wind-empfindlicher.

Für Wanderfahrten mit Campingausrüstung wäre mir persönlich das Boot zu klein. Es gibt aber auch Leute, die unverzagt mit dem kleinen Helios auf große Fahrt gehen.  

 

Pro und Contra

Schlauchkajak

 

Nachteile/Risiken :

- Das kleine Marktangebot deckt

  nicht alle Wünsche ab,

- geringes Tempo,

- Luftdichtigkeit

 

Vorzüge :

- Schneller und einfacher Auf- und

  Abbau,

- optimale Transportfreundlichkeit,

- bequem,

- sicher,

- unsinkbar,

- unempfindlicher bei Kontakt mit

  Steinen als ein Faltboot

 

Techn. Daten:

 

Hersteller: Gumotex aus Tschechien

Material: Nitrilon

Länge: ü.a. 310 cm

Breite: ü.a. 71 cm

Breite: Unterwasserschiff 55cm

Höhe: 37 cm

Freibord: 23 cm

Einstiegsluke: 82 x 37

Gewicht: 10, 5 kg

Tragfähigkeit 100 kg (Herstellerangabe)

3+2+1 Kammern

aufblasbare Fußstütze

Betriebsdruck: 0, 2 Bar

3 Schnellventile

2 Transport-Handgriffe

2 Gepäcknetze

2 Sicherheitsseile

Reparaturset und Schwamm

Packmaße: 50 x 35 x 23 cm

Einsatzgebiet:

geschützte Gewässer bis WW 1

Auf- und Abbau: 5-10 Minuten,

Neupreise zwischen 300 und 500 €

Von Gumotex erhältliches Zubehör: Ruderanlage und Skeg

 

Zubehör

Gumotex bietet sowohl eine Richtungsflosse PAD als auch eine Steueranlage als Zubehör an. Ich hätte für mich persönlich dafür keinen Bedarf. Bei dem verleimten Holz des Ruderblatts vermisse ich eine wasserfeste Versiegelung. -

Um die Anschaffung einer vernünftigen Doppelhubpumpe, bevorzugt die teure 50 Euro Aus-führung von Grabner mit Mano-meter, kommt man dagegen kaum herum. Leider lässt sich der Ziehbetrieb nicht abschalten, was Rückengeschädigte wenig erfreuen wird. -

Gumotex bietet ein 4 teiliges Doppelpaddel aus Alu an, das zwar dicht und stabil aber leider auch sehr schwer geraten ist. -

Das Doppelpaddel sollte mindestens 220 cm lang sein. Wegen der tiefen Sitzposition und der breiten Wülste schaufeln sich Ungeübte mit einem nur 203 cm kurzen WW-Paddel schnell reichlich Wasser ins Boot.

 

 

Lagerung

Wenigstens einmal im Jahr vor dem Einwintern sollte man sein Helios einer Kur mit der Grabner Pflegemilch unterziehen.

Das Boot wird für den Bootssack nicht zusammengerollt, sondern zusammengefaltet. Sicherlich leidet das Material beim Lagern an den Knickstellen. Optimal aufbewahrt liegt es leicht aufgeblasen in einem sauberen, trockenen, dunklen Keller.

 

 

Text und Bilder:  Ralph Sutthoff

QualitätsmerkmaL Luftdruck

 

Herausragendes Indiz für Sta-bilität,  Geschwindigkeitspotential und Materialqualität ist bei einem Schlauchboot außer metallischen Aussteifungen der Luftdruck. Bessere PVC Boote (PVC ist bekanntlich der Stoff mit den ausdünstenden Weichmachern) vertragen 1,5 bar, die Gummi-boote der tschechischen Firma Gumotex 0,2 bar und die deutlich teureren Grabner-Boote aus Österreich 0,3 bar Luftdruck. Somit gehört das Helios zur Mittelklasse der Schlauchkajaks.

In der griechischen Mythologie war Helios der Sonnengott. Aber für ein Schlauchboot, das nicht gerne in der prallen Sonne liegen mag, scheint mir die Namens-gebung der Tschechen etwas gewagt. Die Druckangaben der Hersteller werden jedenfalls immer gewisse Sicherheits-reserven enthalten. Trotzdem  lasse ich mein fahrbereit auf-gepumptes Helios nie in der prallen Sonne liegen.

 

Begegnung mit dem Seekajak „Seagull Elite“ von VKV

 

Ein Bericht über erste Eindrücke

Im schönsten Altweibersommer 2011 meldete sich überraschend Herr Müller von der Firma „Kayak4you“ aus Greifswald. Er verweile über das verlängerte WE in Hamm. Die VKV Seagull stehe zur Besichtigung bereit. Die in Deutschland seltenen schwedischen Kajaks werden bei uns ausschließlich über die Firma Kayak4You Müller&Roy GbR vertrieben, so dass ich die unverhoffte Gelegenheit beim Schopf ergreife und komme. Bei der Dependance in der Ludwig-Erhardstr. 51 handelt es sich um ein unscheinbares Wohnhaus. Im Büro fragte mich Herr Müller  spontan, ob ich auch probepaddeln wolle. Natürlich wollte ich, auch wenn nicht darauf eingerichtet war und keinerlei geeignete Kleidung mithatte. Während wir aus dem Haus traten und Herr Müller überlegte, wo wir wohl am besten paddeln und einsetzen könnten, trafen wir an seinem Wagen auf einen Herrn, der fachkundig die Boote auf dem Wagendach begutachtete. Wie es der Zufall wollte, handelte es sich um Herrn Rehkämper vom Kanu Club Heessen. Nach etwas Fachsimpeln meinte er: „Ihr wollt paddeln, kein Problem. Das machen wir bei uns am Verein. Ich fahre vor.“  Im kleinen Tross von drei Fahrzeugen liefen wir auf dem Clubgelände ein und wurden freundlich aufgenommen. Nach kurzer Besichtigung der Einsatzstelle machen wir die aufwändig eingepackte Seagull startklar.

 

~ Sichtung

Soweit ich das als Laie beurteilen kann, scheint das rundliche Unterwasserschiff nach dem Prinzip der geringstmöglich benetzten Fläche konstruiert zu sein. Die breiteste Stelle liegt hinter dem Cockpit (sog. Schwedendesign). Von unten fällt sofort die breite Naht am Kiel ins Auge. VKV laminiert nicht Ober- und Unterschiff, sondern eine Backbord und eine Steuer-bordhälfte zusammen. Die beiden Schotten sind wie der Rumpf gewebe(ein)laminiert. Überhaupt macht das ganze Kanu einen ausgesprochen robusten Eindruck. Eindrücken lässt sich der Rumpf nicht. Die beiden großen, abschließbaren Stauraumdeckel sind an einem kräftigen Scharnier hochzuklappen. Zuvor allerdings wollen die rundum befindlichen Ver-riegelungsknöpfe alle um 90 Grad verdreht werden.

Das jochförmige Cockpit geht achterlich breit bündig in die Schottwand über, so dass Wasser nach einer Kenterung leicht zu entleeren ist. Eingebaut war eine ergonomisch geformte Sitzschale, die wie der Stemmbock längsverstellbar ist. In allen Aus-führungen der Seagull wird auf jede Art von Rückenstütze verzichtet. Unter dem Achtersteven ragt - nicht ganz strömungsoptimiert - der Ruder-koker hervor. Bei der besichtigten Ausführung konnte das Ruderblatt im 90 Gradwinkel vom Cockpit aus geschwenkt werden. Im hochgezogenen Zustand bleibt ein Teil des nicht profilierten Blatts im Wasser und wirkt so womöglich wie eine Verlängerung der Wasserlinie. Ganz aus dem Wasser aufholen lässt es sich nicht. Bei abgesenktem Ruderblatt schleift die Aufholleine durchs Wasser. Eine schnelle Demontagemöglichkeit der Ruderanlage für den Autodachtransport scheint nicht vorgesehen zu sein. Das T-Stück über dem Koker fällt ausgesprochen massiv aus und wurde von uns als achterlicher Tragegriff gebraucht. Toggel oder andere Tragehilfen haben wir nämlich vermisst.

Optional gibt es von VKV eine Vorrichtung für eine Einstiegshilfe, die sich auch als Masthalterung für eine Besegelung anbietet. Ähnliches kennt man von Faltbooten. Eine VKV-Spezialität sind 2 aufblasbare Stabilisatoren, die bei Bedarf wie bei einem Segel-trimaran an einer Traverse in einer einlaminierten Durchführung hinter dem Cockpit zu befestigen sind.

 

~ Die Probefahrt

Die lange Luke sorgt für einen bequemen Einstieg. Da das Cockpit vorne spitz zuläuft, finden die gestreckten Knie guten Halt unter dem gepolsterten Deck. Mit dem ergonomisch geformten Rennsitz, ohne jede Rückenstütze, kam ich besser als erwartet klar. Der nur wenig  abgeflachte Rundspant des Unterwasserschiffs hält keine Überraschungen hinsichtlich der Kippstabilität bereit. Das 60 cm breite Boot kommt im Wasser mit einem 75 kg schweren Fahrer auf eine Breite von 50 cm. Ein Fahrer mit 2 Zentnern und 190 cm Länge, der nicht völlig paddelunerfahren ist, sitzt so entspannt im Boot, dass z.B. Fotografieren, zumindest unter Enten-teichbedingungen, problemlos möglich ist. Das Boot ist damit deutlich weniger kippelig als z.B. ein Lettmann Streamliner. Laut Navi an Bord erreichte ich mit einem geliehenen Paddel, das mir nicht unbedingt optimal lag, und abgesenktem Ruderblatt kurz 11 km/h Spitzengeschwindigkeit. 9 km/h waren mit vergleichsweise geringer Anstrengung möglich. Zum Vergleich: Mit dem größeren Lettmann Baikal und gewohntem Paddel schaffe ich eine Spitze von 10 km/h und gut 7,5 km/h Dauergeschwindigkeit. Subjektiv paddelt sich die Seagull unspektakulär. Wie alle Seekajaks dreht sie nicht sonderlich gerne. Aber sie lässt sich zum besseren Manövrieren dank ihrer Berechenbarkeit gut Kanten. –

Leider waren die Stabilisatoren nicht mit dabei, die ich auch gerne mal kurz ausprobiert hätte. Dieses Sicherheitszubehör hat viele Funktionen: Wiedereinstiegshilfe, Pausieren auf dem Wasser, Kenterstabilisierung bei Konditionsschwäche und Segelzubehör.

*

Technische Daten:

 

VKV Seagull Elite

Länge ü.a.   530 cm

Breite ü.a.   60 cm

Breite WL    50 cm

Gewicht:     25 kg

Zuladung     160 kg

Stauraum    250 L

Cockpit        96 x 42 cm

Geschwindigkeit 7 kn

(bei 6 kp Zugkraft und 100 kg Verdrängung)

Preis 29.000 Kronen

       ca. 3.000,- €

Die Firma

AB Vituddens Kanotvarv aus Västervik (VKV)

 

ist eine altehrwürdige schwedische Kajakschmiede. Die Boote werden seit 80 Jahren in 5 Generationen in be-grenzter Stückzahl in Hand-arbeit hergestellt und einzeln vom Chef selber der Endkontrolle unterzogen. Die Boote aus Kompositbauweise sind nicht übermäßig leicht, gelten dafür aber als robust und langlebig.

Das Modell Seagull gibt es in drei Versionen, wovon die Elite das schmalste Unterwasser-schiff und das geringste Volumen hat. Alle VKV-Kajaks kommen uns Euroländer sehr teuer, weil die schwedische Krone gegenüber dem Euro an Wert zugelegt hat.  

Bericht: Ralph Sutthoff

 

Bilder: Hans-Peter Müller/Ralph Sutthoff

 

Nachtrag:

 

Im März 2012 erwarb ich eine gebrauchte VKV Seagull Elite in der leichteren und noch teureren Carbon Ausführung. Die verschiedenen Ausführungen sehen von außen übrigens identisch aus, da Diolen und Carbon gleichermaßen mit weißem Gelcoat überzogen werden. Wie die meisten weißen Oberflächen verschmutzt und vergilbt auch das weiße Gelcoat leicht und möchte nach jeder Fahrt gründlich mit dem Schwamm gewienert werden.

Die Seagull Elite in der Carbon Version soll nur einmal im Monat hergestellt werden. Sie wiegt gut 19 kg gegenüber den 26 kg der Diolenversion. Der Carbon-Rumpf ist auch weicher als der Diolen-Rumpf, so dass man beim Verzurren des Bootes auf Hänger oder Autodach Vorsicht walten lassen muss. Sonst zieht man sich Dellen in den Rumpf herein. Während das Achterschott äußerst stabil laminiert ist besteht das vordere Schott nur aus einer Art weichem Schaumstoff. Die stützende Wirkung eines Spants fehlt.  

Die Drehverschlüsse der Lukendeckel funktionieren gut. Nur passen sie optisch schlecht zu der eleganten Erscheinung der Seagull. Spontan denkt mancher Betrachter an die Bastel-arbeit eines Heimwerkers. Bei Kenterübungen dringt jedenfalls kein Wasser durch ordnungsgemäß verschlossene Lukendeckel.

 

Die Nachbestellung von Zubehör oder Ersatzteilen funktioniert leider unbefriedigend.

 

 

Zum Fahrverhalten:

Die Gestaltung des Unterwasserschiffs ähnelt der eines gemäßigten Abfahrtboots. Daher gebärdet sich die Elite auf dem Wasser gewöhnungsbedürftig nervös. Wie bei vielen anderen Kajaks nimmt die Nervosität mit steigender Zuladung ab. Und umgekehrt!

 

Das leichtläufige Kajak verführt seinen Fahrer ständig zum „Gasgeben“. Bei Friedwasser fährt einem so schnell kein anderes Seekajak davon. Bis es auf offeneren Gewässern kabbelig wird. Unter solchen Bedingungen hampelt ein weniger gut trainierter Kajaker in der Seagull Elite viel mit Stützschlägen herum. Er muss sein Tempo unfreiwillig zurücknehmen während die Kollegen in „langsamen“ aber kippstabilen Booten leichter das Reisetempo halten können.  Immerhin bleibt die Elite auf gutmütige Weise kippelig. Ich habe in dem Boot bei Wellen zwar nicht immer eine gute Figur abgegeben, aber unabsichtlich gekentert bin ich damit noch nie. An dem Krängungspunkt nämlich, wo andere, schmale Kajaks mit flacheren Unterwasserschiffen blitzschnell wegkippen, stabilisiert sich die Elite und dreht nur noch berechenbar und langsam weiter. Solange man also die Nerven behält und versucht, die Kippelei zu akzeptieren, bleibt einem immer ausreichend Zeit für einen Stützschlag. Selbst wenn man schon abgekämpft ist und schlechter konzentriert paddelt !

Das Ein- und vor allem das Aussteigen an höheren Stegen bereitet bei diesem Boot keine Freude. Stehen oder sich Aufrichten kann man in dem Boot nicht. Schon das Ausziehen der Paddeljacke auf dem Wasser macht Schwierigkeiten.